Fachschaft Gemeinschaftskunde

„Wer an den Dingen seiner Gemeinde nicht Anteil nimmt, ist kein stiller, sondern ein schlechter Bürger.

(Perikles, athenischer Staatsmann)

Das oberste Ziel des Gemeinschaftskundeunterrichts ist die Erziehung unserer Schülerinnen und Schüler zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern im Rahmen einer politischen Bildung.

Problemorientierung und Kontroversität bilden die leitenden didaktischen Prinzipien des Unterrichts, der den Schülerinnen und Schülern grundlegende Einsichten in politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und rechtliche Zusammenhänge vermitteln soll.

Am JTG wird Gemeinschaftskunde ab Klasse 8 und bis zum Abitur unterrichtet.

In der Oberstufe haben die Schülerinnen und Schüler zudem die Möglichkeit, ihre Fachkompetenz im 4-stündigen Kurs zu vertiefen.

Zur Fachschaft Gemeinschaftskunde gehören Andrea Böhmichen, Marcus Dunke, Sigrid Steiger-Kühr und Elisabeth Styperek.

Exkursionen

Der Besuch der Bundeshauptstadt Berlin in der 10. Klasse ist ein ganz besonderer Höhepunkt. Hier besuchen die Schülerinnen und Schüler die Orte und Plätze, wo der Streit über Meinungen und Interessen ganz besonders im Mittelpunkt steht. Dabei findet  neben dem Bundestagsbesuch auch eine Diskussionsrunde mit einem  Wahlkreisabgeordneten statt.

Doch nicht nur Berlin, sondern auch die Umgebung von Möckmühl bietet politisch interessierten Klassen und Kursen die Möglichkeit, die Unterrichtsinhalte greifbar zu machen. Dazu zählen beispielsweise Besuche im Gemeinderat, Landtag, Gericht oder Betrieb.

MdB Josip Juratovic zu Gast am Gymnasium Möckmühl

Mit großer Spannung erwartet wurde der Besuch des Politikers Josip Juratovic am Mittwoch, den 7.10., am Gymnasium Möckmühl. Die Schüler der Kursstufe 1 erhielten die Möglichkeit im Rahmen des Gemeinschaftskundeunterrichts von Andrea Böhmichen und Marcus Dunke mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten über politische Themen zu diskutieren.

Die Spannung im Vorfeld auf die Aktion war groß, wobei sich die Schüler „ehrliche Antworten“, besonders auf Fragen zur Flüchtlingskrise, erhofften.

Nach der Begrüßung durch Schulleiter Marcus Dunke, schilderte Juratovic den Schülern seinen „besonderen“ Weg in den deutschen Bundestag: Mit 15 Jahren kommt er als Kind kroatischer Gastarbeiter nach Gundelsheim. Nach dem Hauptschulabschluss und einer Ausbildung als KFZ-Mechaniker beginnt er bei Audi am Fließband zu arbeiten, wo er sich bis zum Produktprüfer und Betriebsrat hoch arbeitet. Seit 2005 ist der Sozialdemokrat Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Heilbronn.

Stolz sei er auf das gute Image Deutschlands als „Land der Prosperität, Humanität und Solidarität“, das wir alle gemeinsam weiter pflegen sollen.

Zum Thema Partizipation merkte er an, dass nur 3% der Deutschen Mitglied in einer Partei sind, wobei sich nur 1% aktiv an der politischen Gestaltung unseres Landes beteiligen. Die Schüler forderte er dazu auf, ihre eigene Zukunft mit zu gestalten, indem sie ihre Stimme erheben und von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen.

Während der anschließenden Diskussion stand das Thema „Flüchtlinge“ im Zentrum der Schülerinteressen. Im Bezug auf die Abschottungspolitik einiger Länder erklärte er, dass ein „Europa der Grenzen nicht im Sinne des Erfinders“ liege und äußerte Kritik am „Dublin-Abkommen“. Er merkte an, dass wir uns schon „im 3. Weltkrieg befinden und die Augen davor verschließen“. 60 Millionen Flüchtlinge weltweit können nicht ignoriert werden und erfordern ein europaweites Abkommen und Umverteilungen. Auf die Frage nach Lösungsansätzen erwiderte Juratovic, dass mit gutem Willen schon viel erreicht werden könne. Die Schüler ermutigte er dazu, die Flüchtlinge einfach mal anzusprechen oder sie mit ins Fußballtraining zu nehmen. Zudem mahnte er an, die demokratischen Werte aufgrund weniger krimineller Flüchtlinge nicht über Bord zu werfen.

„Was halten Sie davon, dass man sagt, die IS mische sich unter die Flüchtlinge?“, lautete eine weitere Schülerfrage. Ausschließen könne er diese Tatsache nicht, jedoch fürchte er sich mehr vor den 700 Deutschen, die in der IS aktiv sind und wieder zurück kommen werden.

Die Ausländerfeindlichkeit sieht er nicht als ein plötzlich auftretendes Phänomen an, sondern als allgegenwärtige Bedrohung in allen Teilen der Welt, der man entschieden entgegen treten muss. Nach 90 kurzweiligen Minuten schloss der Bundestagsabgeordnete seine Ausführungen mit einer passenden Anekdote von einer Zugfahrt, mit der er an einen respektvollen Umgang miteinander appellierte: Zwei Männer verwehrten einem „nicht urgermanisch aussehenden“ jungem Mann den Sitzplatz neben ihnen einzunehmen. Als dieser wortlos weiter gegangen ist, hörte er einen der Männer sagen: „Für einen Bombenleger mache ich keinen Platz“, worauf Juratovic erwiderte: „Bisher war er noch kein Bombenleger, jetzt wird er vielleicht einer.“

Im Nachgespräch stellte Juratovic mit Freude fest, dass er die Schüler, die sich durchweg positiv über den Diskussionsverlauf und die Aktion an sich äußerten, als sehr aufmerksam und diszipliniert wahrgenommen hatte. Er hatte ebenso das Gefühl, dass die Emotionen bei ihnen angekommen seien. Die Schule bezeichnete er als freundlich, sauber und hell. Im Gegensatz zu den Ausführungen zum 3. Weltkrieg, klang seine Einschätzung, dass „die Welt hier irgendwie noch in Ordnung ist“, sehr beruhigend.

Stefan Egolf