Fachschaft Geschichte

„Die Geschichte ist die Lehrmeisterin des Lebens.“

(Marcus Tullius Cicero, 106-43 v. Chr.)

Auch wenn das Zitat von einem bereits vor zweitausend Jahren verstorbenen Römer stammt, ist es nach wie vor aktuell. Dem Fach Geschichte haftet oft das Klischee des verstaubten Unterrichts an, den viele als Erwachsene noch als zu theoretisch und daher auch ziemlich langweilig in Erinnerung haben. Doch seit der Bildungsplanreform von 2004 hat sich einiges getan. So sollen den Schülerinnen und Schülern nicht mehr bloß Inhalte vermittelt werden („Wann begann die Französische Revolution?“), sondern auch Kompetenzen und Antworten auf wichtige Fragen der Gegenwart, die ihnen das Fach Geschichte mit auf den Weg geben kann („Warum erinnern wir uns heute daran und was hat das mit mir zu tun?“). 

Das erklärt auch, warum es sinnvoll und wichtig ist, sich auch in Zeiten, in denen die Gegenwart genügend Probleme und Diskussionsstoff bietet, mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Denn die Kenntnisse über die Vergangenheit helfen nicht nur aktuelle schwierige Situationen zu verstehen, die oftmals früheren Jahrzehnten, z.T. auch Jahrhunderten entspringen, sondern sie tragen auch dazu bei, sich in andere Situationen und Personen hineinversetzen zu können und dadurch alternative Denk- und Handlungsweisen zu erschließen. Das Untersuchen historischer Dokumente und Sachverhalte kann aber auch ganz praktische Gründe haben. So untersuchten Forscher im letzten Jahr auch Autopsieberichte von Personen, die in den Jahren 1918 und 1919 an der Spanischen Grippe gestorben waren, um weitere Erkenntnisse zur Lungenkrankheit Covid-19 zu erhalten. Der Historiker Andreas Rödder zieht wiederum historische Vergleiche zur Pest, die im Mittelalter das Leben der Menschen nachhaltig geprägt hat.

Für den Geschichtsunterricht bedeutet das Erlernen dieser historischen Orientierungskompetenz in der Praxis, dass die Schülerinnen und Schüler lernen, die Botschaften unterschiedlichster Quellen (Tagebücher, Zeitungsartikel, Gemälde, Karten, Film- und Tondokumente usw.) zu analysieren und kritisch zu hinterfragen. Ziel soll es sein, dass die Schülerinnen und Schüler sich über die Auswirkungen vergangener Ereignisse auf die heutige Zeit bewusst werden und verstehen, dass historisches Halbwissen sogar gefährlich sein kann. So werden Ereignisse oder Persönlichkeiten der Vergangenheit oftmals für die eigenen (politischen) Zwecke instrumentalisiert, um das eigene Handeln zu rechtfertigen. Ein aktuelles Beispiel ist der Vergleich, den die sogenannte „Querdenker“- Bewegung zwischen sich und den mutigen Widerstandskämpfern unter der NS-Diktatur zieht. Ein Vergleich, der völlig zu Recht eine Welle der Empörung ausgelöst hat und zeigt, wie wichtig der Geschichtsunterricht tatsächlich für unseren Alltag ist.

Text: Kristina Vogel

Bild: Liesa Ebeling Soto