Die konventionelle Landwirtschaft unter der Lupe – ein Landwirt zu Gast in der Kursstufe 1

 

Leiter des Betriebs: Gerd Schonder (l.) und Marcus Horsch (r.)

Am 25.11.2019 begrüßte das Jagsttal-Gymnasium im Rahmen der Geographie-Unterrichtseinheit „Landschaftswandel“ den auf konventionelle Landwirtschaft spezialisierten Landwirt Marcus Horsch, der, gemeinsam mit elf weiteren Familien, die Betriebsgemeinschaft Neuhof in Schöntal gegründet hatte. Zu Beginn stellte er den Betrieb vor und informierte die Schülerinnen und Schüler über seine Arbeit als Landwirt. Besonders am Herzen lag ihm, dem Vorurteil zu begegnen, dass konventionelle Landwirte nichts zum Umweltschutz beitragen würden. „Als konventioneller Landwirt habe ich das Gefühl, mich stets rechtfertigen zu müssen. Wenn du sagst, dass du Landwirt bist, wird dir gleich die Frage gestellt „baust du Bio an?“ Wenn ich dann mit „nein“ antworte, wirken die Menschen gleich irgendwie abweisend.“ Dass diese Sicht auf die konventionelle Landwirtschaft etwas zu einseitig ist, versuchte er den jungen Skeptikern im Klassenzimmer zu vermitteln, denn gerade in Zeiten von „fridays for future“ sind die Jugendlichen zurecht sehr kritisch geworden und hinterfragen zunehmend, was lange Zeit als selbstverständlich galt. Deshalb stellte Horsch gleich zu Beginn klar, dass er durchaus Verständnis für diejenigen hat, die mehr Naturschutz in der Landwirtschaft fordern, erklärte aber auch, in welcher Zwickmühle er sich befindet: Der Landwirt muss auch wirtschaftlich denken und es ist nicht abzustreiten, dass die konventionelle Art des Ackerbaus die ertragssicherste ist. Außerdem werden Stimmen nach Bio immer lauter, doch der Bürger mit seiner Meinung zum Thema Umwelt- und Naturschutz ist nicht gleichzusetzen mit dem Verbraucher. Viele Menschen kritisieren die konventionelle Landwirtschaft, sind aber nicht bereit im Laden viel mehr Geld für ein Produkt auszugeben, das ökologisch und beziehungsweise nachhaltig hergestellt wurde. Der konventionelle Landwirt wird in der öffentlichen Debatte dabei immer öfter zum Sünder erklärt, obwohl es hauptsächlich der Verbraucher in der Hand hat.

Die BG Neuhof versucht beim Weizenanbau einen Mittelweg zu finden. Mit dem Markenprogramm „Blütenkorn“ ist es möglich, dass wirtschaftlicher Erfolg mit Naturschutz- und Umweltschonung Hand in Hand gehen. So arbeiten die Gesellschafter beispielsweise eng mit einem Imker zusammen und pflanzen Wildblumen in die Weizenfelder, um aktiv etwas gegen das Bienensterben vorzunehmen. Außerdem verwendet die BG Neuhof auf den Blütenkorn-Feldern keine Insektenschutzmittel, um die Artenvielfalt zu erhalten. Zudem werden Lerchenfenster angelegt, da der Vogel mitten im Feld nistet. Damit die Lerchen aber Start- und Landebahnen zur Verfügung haben, lässt die Betriebsgemeinschaft größere Flächen (Fenster) innerhalb des Feldes frei. Der Betrieb sorgt außerdem mit dem Bau von mehr als hundert Insekten- und Wildbienenhotels dafür, dass die Tiere einen geschützten Platz zum Überwintern haben. Auch abgestorbene Bäume bleiben aus diesem Grunde auf den Feldern und an den Feldrändern stehen. Außerdem findet man Steinhaufen auf den Betriebsflächen, die Reptilien einen sicheren Rückzugsort bieten. 

Somit sind die konventionellen Agrarprodukte der BG Neuhof ökologisch nachhaltiger als sie auf den ersten Blick scheinen – und doch ginge noch viel mehr, wenn der Verbraucher bereit wäre, mehr Geld im Supermarkt auszugeben. Das „Blütenkornmehl“ beispielsweise ist etwa 3x so teuer, wie Mehl aus dem Discounter. Wenn sich Kunden eher dafür entschieden, nachhaltige Produkte zu kaufen, dann würden Landwirte solche auch produzieren, ohne ihre wirtschaftliche Absicherung gefährdet zu sehen.

Text: Liesa Buechau

Bild: Marcus Horsch

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