21.10.2019: Jugendbegegnung im Zeichen der Toleranz (KS1)

 

„Ich habe ein ganzes Leben lang, schon in der Schule, gegen einen Geist der Enge und Unfreiheit, der Überheblichkeit und der mangelnden Ehrfurcht vor Anderen […] gekämpft […]“ – so schrieb Helmuth James von Moltke, der Urgroßneffe des Generalfeldmarschalls Helmuth Karl Bernhard von Moltke, in einem Brief vom 11. Oktober 1944 an seine Söhne.

Helmuth James von Moltke war einer der Initiatoren eines Netzwerkes im Widerstand gegen Hitler, das die Neuordnung Deutschlands innerhalb Europas für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg plante. Er und Peter Yorck von Wartenburg sammelten mehr als 20 Freunde und Bekannte um sich, unter ihnen Konservative, Sozialisten, Gewerkschafter und Vertreter der christlichen Kirchen. Ihre Treffen fanden unter höchster Geheimhaltung unter anderem auf Gut Kreisau im ehemaligen Niederschlesien statt.

Eine Schülergruppe von JSV und JTG Möckmühl nahm vom 7. bis 11. Oktober 2019 – 75 Jahre nach der Entstehung des Briefes – an einer Jugendbegegnung auf dem ehemaligen Gut der Familie von Moltke in Krzyżowa (ehemals Kreisau) in Polen teil. Diese Begegnung fand auf Anregung der in Möckmühl lebenden Maria von Moltke, einer Verwandten Helmuth James von Moltkes, statt.

Ganz im Sinne von Helmuth James von Moltke, der sich für Offenheit und Toleranz einsetzte, bietet die Stiftung Kreisau für europäische Verständigung, ins Leben gerufen von Helmuth James‘ Ehefrau Freya von Moltke, in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk Jugendbegegnungen in Krzyżowa an. Finanzielle Unterstützung erfuhr die Möckmühler Gruppe durch durch die Stadt Möckmühl und durch den Kiwanis Club Möckmühl, der das Wohl der Gemeinschaft im Blick hat und internationale Freundschaften fördert. Diese Ziele spiegelten sich auch im Programm der Jugendbegegnungswoche wider. Es ging darum, sich gegenseitig kennenzulernen, sprachliche Barrieren zu überwinden und von Kultur und Geschichte des jeweils anderen Landes zu erfahren. Zu diesem Zweck fand gemeinsames historisches Lernen in Ausstellungen auf dem Stiftungsgelände in Krzyżowa, in der Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Groß-Rosen und in Workshops zur deutsch-polnischen Geschichte statt. Ein Besuch in Wrocɫaw (ehemals Breslau) sowie ein Sport- und Konzertabend rundeten das Programm ab. 

Für Helmuth James von Moltke und die anderen Mitglieder des Netzwerkes wäre diese Freiheit im Austausch und in der Zusammenarbeit mit anderen unmöglich gewesen. Die Unterdrückung im NS-System fasste Helmuth James von Moltke mit folgenden Worten zusammen: „Wir wurden verfolgt, weil wir gemeinsam gedacht haben.“ 

Der Sicherheitsdienst im NS-Staat gab dem Netzwerk, das enge Kontakte zur Gruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg hatte, den Namen „Kreisauer Kreis“, um Bedeutung und Größe des Netzwerks öffentlichkeitswirksam zu verschleiern.

Die Treffen in Kreisau waren für den nationalsozialistischen Staat Hochverrat. Helmuth James von Moltke und andere Mitglieder des Netzwerks bezahlten für ihren Einsatz gegen Intoleranz mit ihrem Leben. Der Brief, den Helmuth James von Moltke am 11. Oktober 1944 an seine Söhne schrieb, war ein Abschiedsbrief. Er wurde am 23. Januar 1945 hingerichtet. 

 

Text und Bild: Simone Groeger, Marco Knebel, Kristina Vogel

 

Schülerbericht von Lena Schmezer (KS1)

Im Oktober 2019 fuhren wir, der Leistungskurs Geschichte (Jahrgangsstufe 11) und 10 Realschüler (Klasse 9) im Rahmen ihrer Klassenfahrt nach Kreisau (polnisch Krzyzowa), einem 200 Einwohner Dorf in Polen, rund 60 Kilometer südwestlich von Breslau.

Während der Zeit des Nationalsozialismus war dieser Ort der Sitz der Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis gegen das Hitler-Regime. Heute besteht Kreisau neben einer Dorfstraße aus einer Begegnungsstätte, in der viele Jugendprojekte stattfinden. Die Internationale Jugendbegegnungsstätte „Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung“ verfügt sowohl über Unterkünfte für Jugendgruppen und Privatpersonen, als auch ein Restaurant, eine Sporthalle, Konferenzräume und einen Partykeller. Dieser befindet sich unter dem Schloss Kreisau, in dem eine Ausstellung zur Geschichte des Widerstandes im 20. Jahrhundert zu finden ist. Mit Schülern aus Polen verbrachten wir fünf Tage in Kreisau.

Nach langer Fahrt kamen wir in der Begegnungsstätte an. Nachdem wir unsere Zimmer bezogen und wir uns im umgebauten Kuhstall gestärkt hatten, trafen wir zum ersten Mal unsere polnischen Austauschpartner aus Legionowo, das in der Nähe von Warschau liegt, und lernten sie kennen.

Für den nächsten Tag war das weitere Kennenlernen unter den Jugendlichen vorgesehen. Durch viele Kennenlern- und Integrationsspiele kamen wir in Kontakt mit den gleichaltrigen Polen und lernten die polnische Kultur und Sprache kennen. So erfuhren wir über die Heimtücken der polnischen Sprache am eigenen Leib, als wir uns gegenseitig die jeweils andere Sprache zu lehren versuchten.

Anschließend bekamen wir eine Führung über das historische Gelände und waren auf den Spuren des Kreisauer Kreises unterwegs.

Während des internationalen Abends zeigten uns die Polen zwei Volkstänze, traditionelle Kleidung, polnische Süßigkeiten und ihre Schule. Begeistert brachten sie uns Deutschen einen der zwei Tänze bei.

Auch wir zeigten den Polen die deutsche Kultur und unsere Schule.

Am Mittwoch fuhren wir in das KZ Groß-Rosen. Durch eine Führung über das Gelände und verschiedene Ausstellungen lernten wir die Geschichte des KZ und das Leben der Häftlinge kennen. Das Lager wurde am 2. August 1940 als Nebenlager des KZ Sachsenhausen errichtet.  Die Zahl der Opfer des KZ Gross-Rosen beträgt in etwa 40.000.

So lernten beide Nationalitäten etwas mehr über ihre gemeinsame Vergangenheit kennen. Dieses Wissen wurde durch den Geschichtsworkshop am Nachmittag zurück in Kreisau vertieft.

Zum Abschluss dieses Tages gab es einen gemeinsamen Sportabend. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten aufgrund der Sprachbarriere war es trotzdem möglich gemeinsam Völkerball zu spielen.  Alternativ gab es ein klassisches Konzert eines Hamburger Orchesters. Alles in allem war es ein sehr informativer Tag.

An unserem letzten ganzen Tag besuchten wir Breslau (polnisch Wrocław), die viertgrößte Stadt des Landes. Während einer Führung durch die 640.000 Einwohner Stadt erfuhren wir mehr über die Geschichte der ehemals deutschen Stadt. Nach der bedingungslosen Kapitulation 1945 wurde Breslau unter polnische Verwaltung gestellt und ist seitdem polnisch.                                                 Unsere Stadtführerin erklärte uns die Geschichte hinter den, die für Breslau berühmten, Zwerge. Sie sind eine Erinnerung an die politische Oppositionsbewegung „Orangene Alternative“ der 1980er Jahre. Die Demonstranten übten in Zwergenkostümen verkleidet Kritik an dem kommunistischen Regime, dass damals in Polen herrschte.

Nach der Führung hatten wir zwei Stunden Zeit, in Gruppen die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Es wurden Souvenirs gekauft, polnisches Essen probiert und weiter in die Kultur des Landes eingetaucht.

Zur Feier unseres letzten Abends trafen wir uns mit unseren polnischen Austauschpartnern im Partykeller des Schlosses. Über eine Anlage spielten wir abwechselnd polnische und deutsche Musik. Gemeinsam tanzten wir ein letztes Mal den uns beigebrachten Tanz.

An unserem letzten Tag räumten wir die Zimmer, frühstückten wir ein letztes Mal zusammen mit den Polen und trafen uns für ein gemeinsames Résumé der vergangenen Woche mit den Polen im Maisaal. Wir spielten noch ein paar Abschiedsspiele, tauschten unsere Kontaktdaten und dann trennten sich unsere Wege schon. Der Abschied fiel uns allen schwer und wir versprachen uns in Kontakt zu bleiben.

Nach langer Fahrt wurden wir in Möckmühl von unseren Eltern erwartet.

Wir möchten uns im Namen der Schüler bei dem Kiwanis Club Möckmühl für die Möglichkeit an diesem Austausch teilnehmen zu dürfen bedanken.

Außerdem möchten wir uns bei unseren Lehrern, Frau Groeger, Frau Vogel und Herr Knebel für die Organisation bedanken.  

Zurück