Dario Volpp überzeugt Jury der Kulturakademie Stiftung Kinderland mit eigener Kurzgeschichte

 

Dario Volpp (10b)

Seit 2010 findet durch die Kulturakademie der Stiftung Kinderland Baden-Württemberg die gezielte Förderung begabter Schülerinnen und Schüler in den Bereichen Bildende Kunst, MINT, Musik und Literatur statt. Potentielle Talente werden durch ihre Schule nominiert und müssen eine Arbeitsprobe abgeben, die von einer Jury bewertet wird. Die diesjährige Aufgabe in der Rubrik Literatur bestand darin, eine Kurzgeschichte zum Thema „weiße Flecken“ zu schreiben. Dario Volpp (10b), der von seiner Deutschlehrerin vorgeschlagen wurde, schaffte es mit seinem Text „Wand aus Leinen“ (s.u.), die Jury der Stiftung zu überzeugen. Er ist eines von insgesamt 20 ausgewählten jungen Talenten, die vom 02.-06. September 2019 an einer Kreativwoche teilnehmen dürfen und damit die Möglichkeit haben, in Workshops ihr Können zu erproben und zu erweitern. Zur Seite stehen ihnen dabei die beiden Schriftsteller Kerstin Preiwuß und Matthias Nawrat. Ergänzt wird die Woche durch eine Führung in der Stuttgarter Stadtbibliothek, einen Besuch im Schriftstellerhaus und einen Ausflug zur Akademie Schloss Solitude. Außerdem werden die Schülerinnen und Schüler ein Sprechtraining absolvieren.

Wir gratulieren Dario herzlich zu seinem Erfolg und wünschen ihm viel Spaß bei der Kreativwoche! 

Text & Bild: Liesa Buechau

 

Wand aus Leinen (Weißer Fleck) von Dario Volpp

Es gibt ein Geräusch, wenn man den Pinsel absetzt, ein ekeliges. Er kann es nicht hören, niemand kann das, die Vorstellung daran genügt. Strich für Strich malt er, und es nervt ihn tierisch. Wie ein totes Tier, ja ein totes Tier würde ihn mehr stören als ein lebendes, denkt er. Er malt die Leere, eine unbeschriebenes Blatt, nein, eine Leinwand. Eine leere Leinwand, es fehlt nur noch die Leere, die er malt. Wie ein weißer Fleck auf einer Karte - ja, er malt eine Karte, die Ländereien malt er frei aus dem Gedächtnis heraus dem sie gleichen. Weiße Wolken zieren den Himmel, es ist schwierig zu malen mit nur einer Farbe, ja er muss sehr gut sein in seinem Handwerk, denkt er sich und klopft sich selbst auf die Schulter, welche augenblicklich zu schmerzen beginnt.

Er blickt auf und schaut ins Licht, kalt scheint es ihn in seiner Lieblingsfarbe an, ja er wollte immer schon alles haben. Das weiß der Lampe gleicht den Flecken auf seiner schmerzenden Schulter und hinterlässt die selben auf seiner Haut, welche gefangen ist wie Fische. Die Seile schnüren sich zu und schnallen die blauen Flecken an seine Augen. Blau, eine Farbe die er gar nicht mag. Es stört ihn mehr als die Geräusche, nein gleich, aber auf eine andere Weise. Der Mensch ist irgendwie ein Tier aber wertiger, der tote Mensch stört ihn. Er kann nicht wegschauen, die Flecken folgen seinem Blick. Doch er vergisst sie, und malt es auf die Wand aus Leinen, ein komischer Untergrund für eine Karte, aber sie ist nur für seine Ordnung, und es scheint ihm zu gefallen.

Komisch, dass Licht in einer so schönen Farbe so schlimme Flecken und so düstere Schatten wirft, denkt er sich und ärgert sich sogleich, er wollte vergessen, aber hatte nicht daran gedacht.

Er schlägt sich wütend gegen den Kopf, beschmutzt wird nicht seine Schulter, sondern seine Weiße Weste wird dreckig, aber er kann es nicht sehen. Niemand kann das. „Jedes Licht wirft einen Schatten“ zieht er aus seinem Erlebnis, und wechselt überzeugt nicht seine Farbe.

Der Tod ist eine Leere von Leben, und das Leben eine Lehre vom Tod, er braucht eine andere Farbe, ja er hatte schon immer die höchsten Ansprüche und es musste perfekt werden, sonst müsse er sein Leben leeren, keine Frage.

Aber er kann ihn schlecht fragen, den Tod, ob er ihm von seiner Weisheit abgeben möchte, ja Leere ist weiß also muss der Tod ihm helfen können.

Er wird mit leeren Augen angestarrt, grotesk findet er und ist leicht verärgert, aber erfreut darüber, dass er schon früher daran gedacht hatte, sich die passenden Utensilien zu besorgen.

Er setzt den Pinsel an und ab, kein Geräusch, die Farbe lässt den Pinsel nicht kleben. Früher hatte ihm niemand geglaubt, als er es mit Musik versuchte, und die Pausen verehrte, doch ohne Licht keinen Schatten und ohne Pausen keinen Ton. Tonlos wird er angestarrt. Tonlos wurde er ausgelacht.

So malt er weiter, doch er wird wieder gestört, ein stressiger Tag. Diesmal weiße Flecken auf seiner Netzhaut, Déjà-vu, er hatte das in den letzten Tagen schon mal, doch er konnte entfliehen. Weiße Flecken wo er hinschaut, angenehm unangenehm ärgerte er sich mit einem Grinsen auf den Lippen. Einmal wollte er seinem Werk nachgehen ohne Komplikationen, doch sie geben keine Ruhe, und blenden ihn mit ihrem drehenden Licht. Er kann sich herleiten woher die weißen Flecken kommen, es scheint offensichtlich mit dem Experiment der Blauen Flecken. Ein einfacher Chiasmus wie die Lehre des Lebens, und die Leere des Todes den sie so verachten, nein er verehrt ihn.

Er freut sich auf den Tod, wenn seine Leiche vom Tod gereinigt wird, ganz bleich, nein weiß, die perfekte Farbe für Leere. Nichts kann seinen Verstand besser spiegeln, er ist sich sicher.

Türen werden eingetreten, und er malt blind, ja, was viele nicht wissen, um frei zu malen, muss auch das Augenlicht verwehrt werden. Das passt ihm sowieso jetzt ganz gut, wo ihn doch die weißen Flecken auch mit geschlossenen Augen begleiten. Er hört wie immer mehr Fahrzeuge sich vor seinem Haus zum Stehen bewegen. Schritt für Schritt kommt er der Vollendung näher, er hört Schritte. Die Flecken verschwinden wie er länger kein Licht mehr betrachtet, doch er hat den letzten Strich gesetzt, bewusst aber frei, nicht in Trance aber ungeplant. Er öffnet die Augen und ein Strich geht durch seine Rechnung so kurz vor der Abrechnung. Ja, ein Künstler verlangt einen Preis für sein Werk, es verlangt ihm seine Freiheit, doch kurz bevor sie ihn Packen, öffnet er die Augen und starrt entsetzt auf seine Blutrote Leinwand.

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